Andreas Härlin

Titelseite der Ausgabe 2/87Das Interview aus Ausgabe 2/87

Beim Bearbeiten dieses Interviews für die digitale Ausgabe der Airbrush-Zeitung ist mir mit Schrecken bewusst geworden, dass seit der letzten Veröffentlichung hier schon wieder fast 5 Jahre vergangen sind. Und 32 Jahre seit der Erstveröffentlichung des Originals! Inhaltlich scheint mir nur wenig an Aktualität verloren gegangen zu sein. Bis auf den einen oder anderen Firmennamen stimmt alles, was Andreas Härlin zu erzählen hat. Doch lesen Sie selbst. (CMM)

Natürlich ist Andreas Härlin inzwischen auch im Internet vertreten. Seine Homepage finden Sie unter http://www.andreas-haerlin.de/index.html

Der Illustrator Andreas Härlin

Andreas Härlin im Jahre 1986
Andreas Härlin im Jahre 1986.

Das Gespräch mit Andreas Härlin hatte eine ziemlich lange Anlaufphase. Bereits kurz nach dem Erscheinen unseres ersten Heftes der AIRBRUSH-ZEITUNG war dieser Illustrator von sich aus an uns herangetreten und hat uns eine Auswahl seiner Arbeiten geschickt.

Dass wir Andreas Härlin nun in dieser Ausgabe ausführlicher vorstellen zeigt, dass wir solche Kontakte nicht einfach zu den Akten legen. Wie sich wahrscheinlich die meisten vorstellen können, sind wir zwar gerade mit Illustratoren für unser Interview auf längere Sicht ganz gut ausgelastet – aber mit etwas Geduld kann jeder zum Zuge kommen. Nur: Illustra­toren, von denen wir nichts wissen, können wir natürlich auch nicht vorstellen.

Airbrush-Zeitung: Herr Härlin, Sie haben, wie Sie mir erzählten, Re­tuscheur gelernt. Wurde während Ihrer Ausbildung denn die Airbrush-Technik bereits behandelt?

Andreas Härlin: Sogar sehr aus­führlich. Retusche ohne die Spritz­pistole war schon währende meiner Lehrzeit kaum vorstellbar.

Natürlich habe ich nicht gleich mit einer Spritzpistole angefangen, son­dern ganz konventionell erst mal mit Stift und Pinsel. Eine ganze Menge Training, gerade in der er­sten Zeit, umfaßte Bleistiftzeich­nungen. Erst ganz naturalistisch, dann konzentrierte ich mich im nächsten Schritt auf Strichumset­zungen in Schwarz/Weiß.

An eine Übung erinnere ich mich besonders: Tagelang habe ich versucht, mit dem Pinsel am Lineal entlang gerade – und vorallendingen gleichmäßige – Linien zu zie­hen. Das war echt harte Arbeit.

Erst nach ein paar Wochen solcher Vorübungen durfte ich mit den er­sten einfachen Spritzarbeiten begin­nen. Flächen, Kugeln oder Rohre gehörten dazu. Auch schon die Dar­stellung verschiedener Materialien. Und auf dieser Basis folgten als nächstes die ersten richtigen Retuschearbeiten wie zum Beispiel Lackdeckungen, Hintergründe ab­decken und so weiter.

Airbrush-Zeitung: Was bedeutet „Lackdeckungen”?

Härlin: Wir verwendeten für diese Technik einen speziellen Retusche-lack, einen ziemlich zähen, roten Lack. Damit wurden die Fotopartien, die nicht bearbeitet werden sollten, abgedeckt. Dieser Lack wird mit dem Pinsel aufgetragen und wenn man die restlichen Teile überspritzt hatte, konnte man ihn mit Tesafilm wieder abziehen.

Airbrush-Zeitung: Haben Sie da­mals auch schon andere Abdeckmaterialien ausprobiert?

Härlin: Viel haben wir nicht ge­kannt. Inzwischen hat sich das aber doch gebessert. Heute verwende ich ganz gerne auch mal Rubbelkrepp zum Abdecken – allerdings nicht bei Fotoretuschen, sondern nur bei Illustrationen auf Karton.

Airbrush-Zeitung: Lassen Sie uns nochmal zurückkommen auf Ihre Ausbildung. In welcher Art Lehrbe­trieb haben Sie sie denn gemacht?

Härlin: Das war eine Abteilung in­nerhalb einer Reproanstalt. So rich­tig mit Berufsschule und Berichts­heft und so weiter. Im Gegensatz zu heute ging’s bei dieser Lehre aber ausschließlich um Retusche. Soweit ich weiß, wird ja den jetzt ausgebildeten „Druckvorlagenherstellern” die Retusche nur ganz am Rande beigebracht.

Airbrush-Zeitung: Könnten Sie denn den interessierten Lesern ei­nen Tipp geben, wo man noch „rich­tig“ Retuscheur lernen kann?

Härlin: Man muss suchen. Einige von den alten Kollegen sind immer noch bereit, ihr Wissen weiterzuge­ben. Allerdings glaube ich, dass diese Ausbildungswege nicht mehr staatlich anerkannt sind. Doch an­dererseits – wozu brauche ich eine amtliche Beglaubigung, wenn die Leistung, die ich bringe, dank einer fundierten Ausbildung den Anfor­derungen entspricht?

Airbrush-Zeitung: Schließen wir Ihre Lehrzeit mit Ihren persönli­chen Daten. Wie alt sind Sie und wann haben Sie die Lehre gemacht?

Härlin: Ich bin am 22. Januar 1951 geboren. Nach der Schule war ich dann ein Semester auf der Werk­kunstschule in Augsburg. Dort konnte ich – ein wenig aus schul­politischen Gründen – allerdings nicht so recht weiterkommen und ich begann eine Schriftsetzerlehre. Leider ging das nur bis zur Pleite meiner Ausbildungsfirma gut und danach musste ich mir wieder was Neues einfallen lassen. Das war die bereits angesprochene Lehre als Re­tuscheur. Begonnen habe ich sie 1970 und sie hat zweieinhalb Jahre gedauert.

Mein Lehrmeister von damals, Fritz Kraus, hat mich fachlich her­vorragend ausgebildet. Und auch menschlich kam ich mit ihm be­stens zurecht. Mit meinem Chef hatte ich da schon mehr Probleme. Ich habe mich damals gewerkschaft­lich ziemlich engagiert in der Ju­gendvertretung meines Betriebes. Die Quittung für dieses Engage­ment bekam ich dann auch prompt in Form einer Kündigung. Und ob­wohl ich den folgenden Arbeitsprozess gewonnen habe, hatte ich natür­lich kein großes Interesse mehr, in dieser Firma zu bleiben.

Als mir ein Kollege, der früher auch in meiner Ausbildungsfirma arbei­tete, das Angebot machte, bei ihm mitzumachen, habe ich darum nicht lange gezögert und zugegrif­fen. Von 1973 bis 1980 blieb ich dort

Airbrush-Zeitung: Umfasste Ihr Ar­beitsbereich nur Retusche oder ha­ben Sie sich auch auf anderen Ge­bieten betätigt?

Härlin: Wie das häufig in kleinen Firmen ist, müssen die Mitarbeiter alle Arbeiten machen, die anfallen. Ich habe vom Visitenkärtchen bis zum kompletten Katalog eigentlich alles auf den Tisch bekommen, was man sich vorstellen kann. Und zwar vom ersten Entwurfskribble bis zur fertigen Reinzeichnung.

Mit den Jahren bildete sich aber doch ein Schwerpunkt auf dem Retuschesektor heraus. Viele meiner alten Kollegen wechselten später ebenfalls zu uns, da meine frühere Ausbildungsfirma diese Abteilung praktisch aufgelöst hatte.

Mein Arbeitsgebiet verschob sich immer mehr in Richtung Retusche. Einige Zeit habe ich fast ausschließ­lich retuschiert Aber nebenbei habe ich mich auch autodidaktisch weitergebildet in der Illustration. Ich hatte ja immer schon sehr gerne und viel gezeichnet und so ergab sich dieser Weg wie von allein.

Die Arbeiten, die uns Andreas Härlin seinerzeit für den Abdruck in der Airbrush-Zeitung zur Verfügung stellte, finden Sie in der folgenden Galerie:

 

Airbrush-Zeitung: Wie ging es nach 1980 weiter?

Härlin: In den letzten Jahren in dieser Firma hatte ich auch häufig im Kundenkontakt gearbeitet. Und dabei habe ich feststellen können, dass ein recht großes Interesse an Spritzillustrationen besteht. Also habe ich mich 1980 auf diesem Ge­biet selbständig gemacht.

Wie, glaube ich, jeder Einsteiger, habe ich recht klein und vorsichtig begonnen. Dank meiner Erfahrungen im Außendienst und auch der dabei gewonnenen Kontakte hatte ich aber von Anfang an kaum Schwierigkeiten. Ich komme, als Ausgleich zu der oft sehr pingeligen Arbeit, die ich als Illustrator mache, recht gerne mit Kunden zusammen und empfinde das Akquirieren durchaus nicht als „Klinkenputzen“.

Airbrush-Zeitung: Sind Sie eigent­lich vom Finanzamt als Freiberufler anerkannt?

Härlin: Ja. Das ist vielleicht für unsere jungen Kollegen ganz inter­essant: Gleich, als ich mich selb­ständig gemacht habe, habe ich mich um Aufnahme in den Ver­band bildender Künstler in Stutt­gart bemüht. Man musste dort eine Art Aufnahmeprüfung machen und ein paar seiner Arbeiten zur Begut­achtung einreichen. Nachdem ich dann aufgenommen worden war, hatte ich beim Finanzamt automa­tisch den Status eines freischaffen­den Künstlers. In Zahlen ausge­drückt heißt das, ich rechne mit 7 Prozent Mehrwertsteuer ab und zahle keine Gewerbesteuer.

Den Verband bildender Künstler gibt es sicher nicht nur in Stuttgart und ich kann nur jedem, der sich als Illustrator niederlassen will, emp­fehlen, sich ebenfalls auf diesem – oder einem ähnlichen – Weg seine Künstlereigenschaft vor dem Fiskus bestätigen zu lassen.

Airbrush-Zeitung: Das war sicher ein sehr nützlicher Tipp.

Kommen wir jetzt zu Ihrer Arbeits­weise. Können Sie sich noch erin­nern, mit welchen Spritzpistolen Sie angefangen haben?

Härlin: Natürlich, aber lassen Sie mich ein wenig ausholen. Meine ganze Arbeitsweise ist, sicher auch durch die Retuscheurslehre, ziem­lich orthodox. So gab es während meiner Ausbildung zum Beispiel noch keine wirklich brauchbaren Kompressoren. Deswegen haben wir immer nur mit Kohlensäureflaschen als Antrieb gearbeitet. Auch heute noch will ich darauf nicht verzichten.

Zwar habe ich mir vor kurzer Zeit einen dieser neuen, leisen Kom­pressoren zugelegt, aber ich denke, da muss ich mich erst dran gewöh­nen. Noch fahre ich zweigleisig. Wahrscheinlich stelle ich mich frü­her oder später aber auf Kompres­sor um, denn inzwischen ist deren Leistung wirklich ausgezeichnet. Was ich sagen will ist, dass neue Technik sich bei mir nicht auto­matisch und blitzschnell durch­setzt, sondern ich muss mich daran gewöhnen. Bei meinen Spritzpisto­len ist das genauso. Bis heute habe ich ausschließlich mit der EFBE gearbeitet. Damit hatte ich eben gelernt.

Airbrush-Zeitung: Welches Modell?

Härlin: Ich habe zwei: für feine Arbeiten eins mit einer 0,15 mm-Düse und für größere Flächen eins mit einer 0,30 mm-Düse.

Airbrush-Zeitung: Single- oder Double-Action-Bedienungshebel?

Härlin: Single-Action. Damit habe ich das Spritzen gelernt und damit kann ich noch heute am besten arbeiten.

Leider habe ich mit meine ersten eigenen Spritzpistolen dummer­weise mit ein paar Motorradtank-bemalungen kaputtgemacht.

Airbrush-Zeitung: Aha, Sie haben also mit Autolack gespritzt, oder?

Härlin: Ja, und das war eine recht teure Erfahrung, die ich dabei ge­macht habe. So feine Instrumente, wie meine 0,15er EFBE vertragen sich nicht besonders gut mit Auto­lacken. Später habe ich mir beson­ders für Lackarbeiten eine einfache und preiswerte Paasche-Pistole zu­gelegt. Natürlich kann ich die nicht in der Illustration einsetzen, dafür ist sie einfach zu grob.

Airbrush-Zeitung: Welchen Stel­lenwert nimmt denn die Pflege der Spritzpistolen bei Ihnen ein?

Härlin: Einen sehr hohen! Schon während meiner Lehre war es so, dass ich, ehe ich die Pistole in die Hand bekommen habe, erst mal ler­nen musste, wie ich sie zu pflegen hatte. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

Eigentlich sollte es jedem klar sein, dass man, bei einem Farbwechsel zum Beispiel, auch einmal die Na­del ausbauen muss, um die Pistole gründliche zu reinigen. Es reicht einfach nicht, nur Reinigungsmittel durchzuspritzen. Die alte Farbe setzt sich in allen möglichen Ecken fest, besonders dort, wie die Nadel in das Farbnäpfchen der Pistole kommt. Diese Farbe kriegt man nur mit ausgebauter Nadel aus dem Ge­rät.

Dabei fällt mir ein, dass man im Um­gang mit der Nadel recht vorsichtig sein sollte. Besonders die Spitze ist sehr empfindlich und es ist schnell passiert, dass man sie verbiegt. Ein klein wenig Feinmechaniker sollte der Airbrush-Illustrator deswegen auch sein.

Ich persönlich schleife meine Na­deln, wenn sie nicht hundertpro­zentig gerade an der Spitze sind, auf einem Arkansasstein nach. Un­ter der Lupe prüfe ich das Ergeb­nis. Erst wenn auch das kleinste Häkchen verschwunden ist, arbeitet die Pistole wieder einwandfrei.

Vielleicht hat der eine oder andere schon mal ein „Spucken“ seiner Pistole bemerkt. Das liegt meistens an einer defekten Nadelspitze.

Airbrush-Zeitung: Gibt’s eigentlich Ihrer Erfahrung nach für die Spritz­pistole – außer Autolacken – noch andere gefährliche Farben?

Härlin: Die gibt es sicher. Ich würde zum Beispiel nicht unbedingt in meiner 0,15 mm-Düse mit Acryl arbeiten. Selbst bei sorgfältigster Pflege bleiben geringe Farbreste in der Pistole zurück, die eine so feine Düse recht schnell verstopfen kön­nen.

Airbrush-Zeitung: Mit welchen Farben arbeiten Sie denn überwie­gend?

Härlin: Ich sagte ja schon, dass ich nicht dazu neige, immer wieder an­dere, neue Sachen auszuprobieren. Bei Farben geht’s mir da nicht an­ders. Von Anfang an habe ich nur gute Erfahrungen mit den Retuschefarben von Schmincke ge­macht und mit denen arbeite ich heute noch.

Natürlich lehne ich neue Farben nicht grundsätzlich ab. Wenn ich kann, teste ich sie auch und ich muss sagen, es gibt da einige sehr gute Sorten auf dem Markt. Nur habe ich mich eben so an „meine“ Farben gewöhnt, dass ich immer wieder darauf zurückgreife.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle einmal kurz auf einen bei Außen­stehenden weit verbreiteten Irrtum hinweisen. Obwohl man ja mit deckenden Pigmentfarben arbeiten kann, ist dies eine recht zeitinten­sive Technik. Man muss mehrere Schichten Farbe übereinander le­gen, ehe man eine Fläche wirklich abdeckt.

Jeder, der schon mal einen großen Verlauf, sagen wir mal ca. 50 x 60 cm, gespritzt hat, weiß, dass er da­für mindestens einen halben Tag Arbeit benötigt. Nur unsere Kun­den scheinen das nicht glauben zu wollen.

Airbrush-Zeitung: Ein paar Worte bitte noch zu Ihrer Technik. Setzen Sie ausschließlich die Spritzpistole ein oder kombinieren Sie sie auch mit anderen Techniken?

Härlin: Natürlich mische ich die Techniken untereinander. Nur die Spritzpistole ergibt viel zu glatte, regelrecht sterile Flächen, die mir nicht gut gefallen. Das kann zwar bei technischen Darstellungen an­gebracht sein, sobald aber mehr na­türliche Motive verlangt werden, setze ich gerne Tempera und Pinsel ein, um eine lebendigere Wirkung zu erzielen.

Genauso gerne verwende ich auch Buntstifte oder ich kratze Lichter mit der Klinge heraus. Eine feste Regel gibt es dafür eigentlich nicht. Es hängt immer von der Aufgaben­stellung ab.

Airbrush-Zeitung: Gut, sprechen wir noch kurz über sonstige Mate­rialien, mit denen sie arbeiten. Härlin: Zum Maskieren verwende ich hauptsächlich selbstklebenden Frisk-Film und nicht haftende, dünne Ultraphanfolie. Als Unter­grund für meine Illustrationen be­vorzuge ich den dicken Schoellershammer-Reinzeichenkarton.

Airbrush-Zeitung: Für scannergerechte Vorlagen muss man aber doch gelegentlich auch 250 g-Kar­ton einsetzen, oder?

Härlin: Wenn es der Kunde aus­drücklich wünscht, natürlich. Aber lieber ist mir doch der stärkere Kar­ton. Manchmal kann man mit klas­sischer Lithographie und einem gu­ten Dia aus einer Arbeit mehr her­ausholen als mit einem Scanner. Aber heutzutage ist das natürlich auch eine Frage der Kosten und ­sehr wichtig – der Geschwindigkeit

Airbrush-Zeitung: Leiden Sie oder Ihre Arbeit unter Zeitdruck?

Härlin: Darunter leide nicht nur ich. Ich bin überzeugt, das geht al­len Illustratoren ähnlich. Mein Ter­mindruck ergibt sich aus der Tat­sache, dass ich hauptsächlich für Werbeagenturen arbeite und bei denen geht es immer recht hektisch zu.

Diese Zeitnot ist übrigens auch ei­ner der Gründe, warum ich nicht oft dazu komme, neue Materialien und Geräte auszuprobieren. Was man sich als freiberuflicher Illu­strator nämlich in keinem Falle er­lauben kann, ist, irgendeinen Auf­trag zu verhunzen und dann am nächsten Tag wieder von vorne an­zufangen.

Airbrush-Zeitung: Wie gehen Sie denn an einen Auftrag heran? Wo­her nehmen Sie Ihre Vorlagen?

Härlin: Mein wichtigstes Archiv ist mein Kopf. Zuerst einmal greife ich auf im Gedächtnis gespeicherte Motive zurück und beginne mit ei­nigen groben Skizzen. Erst danach suche ich, meist aus Bergen von alten Zeitungen, nach konkreten Fotovorlagen, die ich in meine Skribbles einarbeite. Was ich in Zei­tungen nicht finde, fotografiere ich auch oft einfach nur mit meiner Polaroid-Kamera. Für manche Agenturen reicht diese Vorberei­tung zu Beurteilung eines Auftrages bereits aus.

Bei anderen wiederum muss man weitergehen und Reinlayouts ablie­fern, weil auch oft der eigentliche Kunde vorher sehen muss, was er von mir bekommt

Schrittweise wächst dann das Mo­tiv. Meistens ist es bei mir so, dass ich mit Bleistift auf Transparent­papier von Phase zu Phase immer detaillierte arbeite, bis schließlich die endgültige Vorzeichnung fertig ist Diese lasse ich vom Kunden absegnen, ehe ich mit der farblichen Ausarbeitung beginne.

Airbrush-Zeitung: Das klingt, als wären Sie bei der Auswahl Ihrer Motive völlig unabhängig. Meist ist es aber doch so, dass der Art-Director in der Agentur Ihnen schon ganz konkrete Vorstellungen auf den Tisch legt, die Sie letztlich nur noch ausführen müssen. Schränkt Sie so etwas in Ihrer Kreativität ein?

Härlin: Vorgaben in kreativer Hin­sicht waren für mich nie ein Pro­blem. Immerhin komme ich aus der Retusche, wo man noch einge­schränkter in seinen Entfaltungs­möglichkeiten ist Erst seit ich mich selbständig gemacht habe, leiste ich mir den „Luxus“ der freien Ar­beiten.

Dass ich mich über kreative Jobs, wo ich in keiner Weise eingeschränkt bin, mehr freue, als über rein hand­werkliche Aufträge, ist klar. Doch die Fähigkeiten für solch freie Illu­strationen habe ich mit letztendlich bei den anderen Arbeiten erst ange­eignet. Insofern halte ich sie für sehr wichtig und mache sie gar nicht ungern.

Airbrush-Zeitung: Zum Schluss noch kurz ein Thema, welches Sie am Telefon angedeutet haben: Sie ziehen in neue Räume?

Härlin: Ja. Endlich habe ich mein Traum-Atelier gefunden und im Sommer ist es soweit Dann kann ich auch ohne Bedenken mal einen Kunden zu mir einladen. Hier in meinen alten Räumen war das ja nicht so ohne weiteres möglich.

Airbrush-Zeitung: Ich wünsche Ihnen jetzt schon viel Erfolg dort und bedanke mich für unser Ge­spräch.

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