Die Paasche-Turbo (2)

Die erste Folge unserer Serie über die Paasche-Turbo liegt inzwischen länger zurück, als ich das geplant hatte. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Für die Leser, die sich nachträglich sogar im gedruckten Medium informieren möchten: es war im Heft 2/86 der AIRBRUSH-ZEITUNG. Im einschlägigen Fachhandel und auch bei eBay kann man da sogar heute noch fündig werden.

Für diesen Abschnitt versprach ich Ihnen unter anderem die Justiermöglichkeiten der Turbine. Dieses Versprechen möchte ich hiermit einlösen.

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Der Arbeitsdruck

Jede Spritzpistole, natürlich auch die Paasche Turbo benötigt als Antrieb Luft, die unter einem bestimmten Druck steht. Während konventionelle Pistolen, die für sogenannte „Schreibtischformate“ eingesetzt werden, mit ca. 0,5 bis 3 bar – je nach Düsenstärke und verwendeter Farbe – auskommen, reicht dies nicht für die Turbo.

Regulierungsschraube für TurbinengeschwindigkeitHier verlangt die Technik ihren Tribut in Form von mindestens 1,5 Atmosphären Überdruck. Es gibt eine ganz einfache Möglichkeit, den Minimalarbeitsdruck festzustellen: Zuerst reduzieren Sie den Luftdruck am Kompressor bis auf null. Schrauben Sie dann die Regulierschraube für die Turbinengeschwindigkeit (an der Pistole, siehe Abbildung rechts) ganz auf und drücken bis zum Anschlag auf den Bedienungshebel, um das Luftventil zu öffnen. Regulieren Sie dann den Luftdruck am Kompressor langsam immer höher – wobei Sie den Bedienungshebel vor und zurück bewegen müssen, um den Schwingarm in „die Gänge zu bringen“ – bis sich das Turbinenrad zu drehen beginnt. Dies ist die untere Arbeitsgrenze. Als Anhaltspunkt: Bei meiner Testpistole geschah dies bei 1,5 bar.

Die Obergrenze liegt etwa bei 4 bar. Sie festzustellen gibt es leider keine so einfache Technik. Sie können sich lediglich auf Ihr Gehör verlassen. Wenn Sie nämlich die ersten Aversionen gegen das „Zahnarztbohrergeräusch“ der Turbine überwunden haben, kann man schon in etwa abschätzen, ab welchem Druck das Surren nicht mehr höher wird. Weiter sollten Sie den Kompressor nicht aufdrehen.

Damit Ihnen kein Malheur passiert, sollten Sie vorher unbedingt die Schlauchverbindung zwischen Kompressor und Pistole auf sicheren Halt überprüfen. Gegebenenfalls muss man sogar mit Schlauchklemmen nachhelfen, denn ein lediglich aufgesteckter Schlauch platzt bei dem hohen Arbeitsdruck schnell mal vom Ansatzstück ab.

Wenn ich bei obiger Beschreibung die ganze Zeit nur vom Kompressor als Antrieb gesprochen habe, so hat dies seinen Grund. Weder mit der Kohlensäureflasche, und schon gar nicht mit der Luftspraydose, können Sie den nötigen Arbeitsdruck über längere Zeit erreichen. Selbst frisch gefüllte Kohlensäure- oder auch Pressluftflaschen vereisen bereits nach kurzer Zeit, wenn man zu hohe Anforderungen an sie stellt. Ein Kompressor sollte es schon sein. Ein Düsenflugzeug kann man ja auch nicht mit der Dampfmaschine antreiben.

Turbinengeschwindigkeit

Die wichtigste, sofort ins Auge fallende Regelfunktion der Turbine – von der die Pistole immerhin ihren Namen hat – ist die Möglichkeit, die Drehzahl des Turbinenrades zu verändern. Die entsprechende Schraube befindet sich genau oberhalb der Abzweigung des Düsenarmes (siehe vorige Abbildung).

Von dem Tempo, mit dem sich die Turbinenscheibe dreht, hängt die Frequenz der Nadelbewegungen ab. Und je häufiger pro Zeiteinheit die Nadel vor die Luftdüse gebracht wird, desto mehr Farbe wird auf den Spritzgrund geblasen.

Wenn Sie Ihre Paasche Turbo wirklich in- und auswendig kennenlernen und beherrschen wollen, sollten Sie sich ein sogenanntes „Spritzmusterblatt“ anlegen. Darauf halten Sie im Original die in den verschiedenen Justierpositionen sich ergebenden Spritzstrukturen fest. Legen Sie für jedes Spritzmuster ein eigenes Feld an und notieren Sie sich darunter die entsprechende Einstellung.

Nicht jede Paasche Turbo arbeitet genau wie die andere. Darum ist es unumgänglich, die individuellen Möglichkeiten durch ein paar Versuche festzustellen. Beginnen Sie damit, dass Sie die Regulierschraube mit einem kleinen Schraubenzieher erst mal ganz zu (rechts herum) drehen. Normalerweise darf dann das Rad gar nicht erst in Schwung kommen – selbst nicht bei maximalem Arbeitsdruck.

Sollte es trotzdem passieren, ist möglicherweise das Gewinde der Regulierungsschraube zu kurz, verschmutzt oder beschädigt. Reinigen können Sie es selbst, reparieren meistens nicht. Sollte also das letztere zutreffen, muss Ihre Pistole zum Händler, damit er Ihnen ein passendes Ersatzteil heraussuchen kann. Es ist wichtig, dass jede neue Schraube „am Objekt“, an der Pistole, ausprobiert wird. Sollte sich keine gut sitzende und vollständig dichte Regulierungsschraube finden lassen, muss die Spritzpistole zum Hersteller eingeschickt und dort repariert werden.

Um das Turbinenrad in Bewegung zu versetzen, muss nun die Luftzufuhr langsam gesteigert werden. Tun Sie dies bitte bei heruntergedrücktem Bedienungshebel und bewegen Sie diesen dabei etwas vor und zurück. Nachdem die Regulierungsschraube etwa eine halbe bis eine ganze Umdrehung geöffnet wurde, sollte der Schwingarm von allein anfangen, sich zu bewegen. Unterbrechen Sie durch Loslassen des Bedienungshebels kurz die Luftzufuhr und starten dann erneut, um dies zu überprüfen.

Die auf diese Weise gefundene Minimalstellung der Regulierschraube sollten Sie sich merken.

Nun hängt ja am Schwinghebel noch die Nadel, und diese wiederum reibt sich an der Nadelführung und gleitet durch das Nadellager. Je nach Stärke der Reibung und je nach Viskosität der verwendeten Farbe muss man die Minimalstellung der Regulierschraube leicht nachjustieren. Dafür gibt es keine Standardregel, sondern nur ein individuelles Optimieren von Fall zu Fall.

Von der Minimal- zur Maximalgeschwindigkeit der Turbine ist es nur ein relativ kleiner Schritt. In Umdrehungen der Regulierungsschraube: Etwa eine halbe bis eine ganze Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Fixieren Sie am besten einige Zwischenstellungen auf Ihrem Spritzmusterbogen.

Infolge der Vibration, die beim Arbeiten unvermeidlich ist, kann sich die Schraubenstellung während des Spritzens verändern. Bei längerem Arbeiten kann dann durchaus ein Nachstellen nötig werden.

Turbinenlager

Die Einstellung des Turbinenlagers sollte nur dann vorgenommen werden, wenn sich das Turbinenrad entweder gar nicht mehr oder nur noch ruckartig dreht. Ehe Sie sich allerdings zu diesem Schritt entschließen, sollten Sie einige mögliche, manchmal ganz banale Fehlerquellen überprüfen.

Entfernen Sie zuerst einmal die Nadel und versuchen Sie dann, den Schwinghebel wieder in Bewegung zu versetzen. Gelingt Ihnen dies, liegt die Ursache nicht bei der Turbine, sondern bei der Nadel, der Nadelführung oder dem Nadellager. Auf deren Einstellung komme ich im Verlauf der Arbeitsbeschreibung später nochmals zurück.

Oder, noch einfacher, die von Ihnen verwendete Farbe ist lediglich zu dickflüssig und bremst deswegen die Bewegung der Nadel zu stark ab. In diesem Fall verdünnen Sie die Farbe soweit, bis die Nadel wieder frei und ungehindert hin und her gleiten kann.

Eine weitere Ursache für die ungleichmäßige Rotation der Turbinenscheibe kann natürlich auch mangelhafte Schmierung sein. Zum Schmieren verwendet man am besten weiße Vaseline. Es gibt zwei Nippel zur Aufnahme des Schmierstoffes. Öffnen Sie die Schraube mitten auf dem Turbinendeckel und die Schraube mitten unter dem Turbinengehäuse und Sie haben sie gefunden.

Füllen Sie mit einem kleinen Spachtel die beiden Gewindeöffnungen und drehen Sie dann die Schrauben wieder hinein. Überflüssiger Schmierstoff drückt sich dabei von selbst an den Seiten des Gewindes wieder heraus.

Sollten die bis hierher beschriebenen Methoden den gleichmäßigen Lauf des Turbinenrades nicht wieder möglich machen, liegt der Fehler wahrscheinlich im Lager selbst. Möglicherweise ist es ausgeschlagen oder die Spitzwelle hat sich festgefressen oder ist angerostet.

Um solche Fehler zu beseitigen, benötigen Sie Spezialwerkzeug und eigentlich auch die Kenntnisse eines Feinmechanikers. Ich würde Ihnen empfehlen, in solch einem Fall die Spritzpistole von Ihrem Händler zum Hersteller einschicken und reparieren zu lassen.

Die Nadel

Weiter oben habe ich die Fehlerquellen im Zusammenhang mit Nadel, Nadelführung und Nadellager bereits kurz angedeutet – jetzt möchte ich mehr ins Detail gehen.

Als ich mir vor Jahren meine erste eigene Paasche Turbo zugelegt habe, hatte ich die meisten Schwierigkeiten mit der richtigen Form der Nadel. Dabei wusste ich damals überhaupt nicht, dass meine Probleme dadurch hervorgerufen worden waren. Der Hersteller geht nämlich bis heute noch nicht – zumindest in keiner mir bekannt gewordenen Bedienungsanleitung – auf diesen Punkt ein.

Die Nadel muss eine ganz bestimmte Biegung haben, damit die Spritzpistole korrekt arbeitet. In Worten kann ich das nicht klar genug machen – aber mit zwei Abbildungen.

Nadelbiegung, SeitenansichtIn Abbildung links können Sie deutlich eine Wölbung der Nadel nach oben erkennen. Dadurch wird sie unter die Nadelführung gedrückt. Da das Nadellager nach oben offen ist, könnte die Nadel auf und ab vibrieren. Immerhin rotiert die Turbinenscheibe bis zu 20.000 mal in der Minute! Die Nadelführung wirkt einer solchen Bewegung der Nadel entgegen. In der Normalstellung sollte die Nadel ganz heruntergeschraubt sein.

Nadelbiegung, AufsichtNicht ganz so deutlich ist die Biegung der Nadel in Abbildung rechts zu erkennen. Hier wölbt sie sich in Richtung Nadelführung. Dies hat den gleichen Sinn, wie in der vorhergehenden Zeichnung. Es soll dadurch vermieden werden, dass die Nadel bei der Arbeit unter der Nadelführung herausspringt.

Um den richtigen Bogen herauszubekommen, müssen Sie leider etwas experimentieren. Ich habe bisher noch keine zwei Turbos mit gleichen Krümmungsradien gefunden. Keinesfalls darf der Bogen so stark sein, dass die Bewegung der Nadel, infolge zu großer Reibung unter der Nadelführungsschraube oder im Nadellager, eingeschränkt wird.

Genug für diesmal. In der nächsten Folge wende ich mich den Justiermöglichkeiten von Farbnäpfchen und Luftdüse zu.

(CMM)

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