Kridon Panteli

Das Interview aus Ausgabe 1/86

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Für unsere erste Ausgabe sollte es schon wer Besonderer sein: Kridon Panteli, geb. am 13. März 1949 in London, lebte damals seit 1976 in Hamburg. Inzwischen hat er seinen Wohnsitz wieder nach London verlegt. Im Internet fand ich eine Homepage von ihm.

Die Arbeiten, die damals mit dem Interview veröffentlicht wurden, publiziere ich natürlich auch hier. Mit einem Mausklick auf die kleinen Abbildungen öffnen Sie ein zusätzliches Fenster mit einer vergrößerten Darstellung und weiteren Informationen zum Bild.

 

Kridon PanteliSein Studium absolvierte er von 1967-70 am „Ravensbourne College of Art and Design“ in England. Dem folgte noch ein Jahr in der Fachrichtung „Technische Grafik“ am „Luton College of Technology“, ehe er die ersten kommerziellen Gehversuche unternahm.

Inzwischen gehört er sicherlich zu den profiliertesten Airbrushern in Deutschland – und darüber hinaus. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt und Antworten erhalten, von denen wir annehmen, daß sie für alle, die sich mit Airbrush beschäftigen, interessant sind.

Kamera „Snapshot“Airbrush-Zeitung: Wann haben Sie begonnen, Ihre Illustrationen mit der Spritzpistole zu machen?

Panteli: Meine ersten Versuche waren im Jahre 1967, während meines Kunststudiums.

Airbrush-Zeitung: Welchen Grund gab es für Sie, die Spritzpistole zu wählen?

Panteli: Die Spritzspistole war für mich das ideale Werkzeug, um meine perspektivischen Illustrationen in Farbe darzustellen. Die Ergebnisse waren sauber und beeindruckend.

Airbrush-Zeitung: Wie und wo haben Sie sich Ihre Kenntnisse darüber angeeignet?

BlütePanteli: Die Grundkenntnisse für Airbrush habe ich während meines 4-jährigen Kunststudiums gelernt. Schon damals war die Airbrush-Technik bedeutend für mich.

Airbrush-Zeitung: Welche Art von Arbeiten haben Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn als Airbrusher gemacht?

Panteli: Es waren technische Grafiken und Illustrationen für Auto- und Flugzeugbau.

Airbrush-Zeitung: Wo haben Sie damit begonnnen?

Panteli: Mein Grundstock wurde in England gelegt und in Deutschland erweitert.

Airbrush-Zeitung: Können Sie die Kunden beschreiben, die zu Beginn Ihrer Karriere Ihre Auftraggeber waren?

MetallschriftzugPanteli: Meine ersten Kunden waren Werbeagenturen, Verlage und Hersteller.

Airbrush-Zeitung: Welche Art von Kunden ziehen Sie vor?

Panteli: Zufriedene Kunden.

Airbrush-Zeitung: Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Schwierigkeiten.

Panteli: Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, z. B. anerkannt zu werden, kann ich mich jetzt nicht beklagen.

Airbrush-Zeitung: Benutzen Sie eigentlich nur die Spritzpistole für Ihre Arbeiten oder mischen Sie die Techniken?

MercedesPanteli: Oft benutze ich Mischtechniken, aber bestimmend ist das Motiv. Je komplizierter das Motiv ist, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, besondere Effekte einzuarbeiten. Für kommerzielle Illustrationen versuche ich, so wenig wie möglich Mischtechniken zu benutzen. Nur für Feinheiten benutze ich den Pinsel.
Bei künstlerischen Illustrationen ist alles erlaubt, sehr wichtig ist hier zu experimentieren.

Airbush-Zeitung: Halten Sie sich mehr für einen kommerziellen oder einen ideellen Illustrator(Künstler)?

Panteli: In erster Linie bin ein kommerzieller Illustrator, aber nicht ausschließlich. Momentan unterrichte ich Airbrush-Technik in einer Reihe von Seminaren. Dadurch ist meine Zeit sehr begrenzt, künstlerischen Tätigkeiten nachzugehen.

Airbrush-Zeitung: Verarbeiten Sie überwiegend Ihre eigenen Ideen oder mehr die Vorstellungen von Art-Direktoren oder Kunden?

Panteli: Beides. Eine Vielzahl von Agenturen legen das Konzept und Layout vor, andere wiederum verlangen von mir Ideen. Ich arbeite auch direkt für Produkthersteller. In den meisten Fällen werden Ideen und Layout vor der eigentlichen Illustration verlangt.

Airbrush-Zeitung: Wie gehen Sie an eine Illustration heran?

ElektrogerätePanteli: Als Richtung zeichne ich zuerst eine Skizze als grobe Idee. Im Anschluß daran fertige ich ein Layout mit genauen Farbangaben. Das ausgewählte Motiv zeichne ich dann auf Transparentpapier, Maßstab 1:1. Das Motiv wird dann auf den Untergrund mit Kohlepapier (selbst vorbereitet) übertragen. Jede einzelne Linie wird dann korrigiert und nachgezogen, wobei es sehr wichtig ist, daß die Linien einen absoluten Feinstrich vorweisen. Im Anschluß daran beginne ich mit der Maskier-, Schneid- und Spritzarbeit; das bedeutet, ein Ausschnitt der Illustration wird maskiert, der Rest mit Layout- oder Transparentpapier geschützt Danach beginnen die Schneidarbeiten und im Anschluß daran wird die Fläche gespritzt. Die Maskierung wird jetzt vernichtet und für den nächsten Teil der Illustration neu erstellt, Grund dafür: die angrenzenden Flächen bleiben immer deutlich sichtbar.

Airbrush-Zeitung: Welche Farben und Untergründe bevorzugen Sie?

Panteli: Die Art der Farben ist abhängig vom Motiv. Ich bevorzuge feinste Gouache-Farben. Für manche Arbeiten benutze ich auch Flüssigfarben, weil hier die Pigmente sehr fein sind. Ein weiterer Vorteil ist die Wasserfestigkeit der Farben. Für Motive, bei denen Lichtechtheit nicht wichtig ist und leuchtende Transparentfarben ein Vorteil sind, benutze ich Eiweißlasurfarben.

Für 90 Prozent meiner Illustrationen verwende ich glatten Reinzeichenkarton. Die Art des Untergrundes ist allerdings wieder motivabhängig.

Airbrush-Zeitung: Welche Spritzpistolen benutzen Sie meistens?

Panteli: Am häufigsten benutze ich Double-Action-Spritzpistolen mit festem Farbbehälter.

Airbrush-Zeitung: In welchen Formaten arbeiten Sie am liebsten?

Panteli: Für jede Arbeit gibt es ein optimales Format. Bei geschickter Berechnung kann viel Zeit und Aufwand gespart werden. Als grobe Regel sollte man ca. 30 % größer arbeiten, als das gedruckte Format.

Bei großzügigen Arbeiten ist der Zeitaufwand bedeutend größer, um die Flächen zu bedecken. Um eine hohe Qualität zu erzielen, ist der Arbeitsaufwand bei zu klein ausgewählten Formaten auch sehr groß.

Zeit ist für den Termin und die Preiskalkulation wichtig. In Fällen, in denen das gedruckte Format sehr groß ist und Zeitaufwand und Arbeitsplatzmöglichkeiten gering sind, sollte man das Format auf eine optimale Arbeitsgröße anlegen; auch kleiner als das gedruckte Format. Allerdings muß man berücksichtigen, daß absolut akkurat und fehlerfrei gearbeitet wird, weil jede Ungenauigkeit ja auch mit vergrößert wird.

Airbrush-Zeitung: Beschreiben Sie Ihre Arbeitstechnik! Benutzen Sie zum Beispiel gleichzeitig mehrere Pistolen?

Video-GerätPanteli: Wie ein Maler verschiedene Pinsel benutzt, arbeite ich mit verschiedenen Arten von Spritzpistolen. Ich habe manchmal mehrere Spritzpistolen zur gleichen Zeit im Einsatz, z. B. in Fällen, in denen ich zwei Töne oder Farben gegeneinander verarbeite, dadurch vermeide ich häufiges Wechseln der Farben und Reinigen der Spritzpistolen. Die Zeitersparnis ist erheblich.

Airbrush-Zeitung: Was passiert mit Ihren Arbeiten, nachdem sie lithographiert und gedruckt sind? Was machen Sie mit Ihren Originalen?

Panteli: Die Originale bleiben in meinem Besitz. Jeder Kunde hat die Möglichkeit, sie jederzeit abzurufen.

Airbrush-Zeitung: Machen Sie auch Originale, die nicht zum Vervielfältigen gedacht sind?

Panteli: Meistens werden meine Illustrationen zur Vervielfältigung hergestellt, weil ich ja hauptsächlich für Agenturen und Hersteller arbeite. In Zukunft werde ich auch Originale, die nicht gedruckt werden sollen, fertigen.

Airbrush-Zeitung: Stellen Sie auch aus, in Galerien oder Museen?

Panteli: In der Vergangenheit habe ich ab und zu in Galerien ausgestellt. Ich hoffe, zukünftig mehr Zeit zu finden, um öfter auszustellen.

Airbrush-Zeitung: Wie, denken Sie, entwickelt sich die Airbrush-Illustration weiter? Welche Zukunft hat sie?

HörgerätPanteli: Die Airbrush-Technik wird sich hier genau so entwickeln, wie in Amerika und England, d. h., sie wird in immer weiteren Gebieten Anwendung finden. Die Spritzpistole wird künftig ein Werkzeug sein, vergleichbar mit dem Pinsel oder Bleistift.

Airbrush-Zeitung: Haben Sie irgendwelche Ratschläge und Tips für Kollegen, die jetzt mit Airbrush anfangen wollen?

Panteli: Empfehlenswert ist die Teilnahme an einem guten Seminar Dadurch werden alle anfänglichen Schwierigkeiten abgebaut und somit ist ein optimaler Anfang gegeben.

Airbrush-Zeitung: Was werden Sie tun, wenn Airbrush-Illustrationen einmal aus der Mode kommen?

Weltall-IllustrationPanteli: Airbrush-Illustration ist keine Modeerscheinung. Im Moment erlebt Airbrush in Deutschland einen Boom. Im schlimmsten Falle stelle ich mir vor, daß sich der Airbrush-Boom stabilisiert. Die Airbrush-Technik wird sich in immer mehr Bereichen finden, Voraussetzung ist, daß mehr Menschen sich über das breite Spektrum der Verwendung bewußt werden.

Airbrush-Zeitung: Möchten Sie zu irgendeinem anderen Thema noch etwas sagen?

Panteli: Ich bedanke mich für dieses Interview und hoffe, daß ich durch meinen Beitrag einem größeren Interessentenkreis das Thema Spritztechnik näher bringen konnte.

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