Airbrush-Art auf nackter Haut

Der folgende Artikel war einer der ersten, der sich in Deutschland mit dem Thema Bodypainting beschäftigte. Er erschien in der Ausgabe 1/86 der gedruckten Airbrush-Zeitung.

Bodypainting 1986 (Abb. 1)«Le dernier cri» in der Kosmetik.

Faszinierend, welche Ideen entwickelt werden. Sicherlich ist es nicht unbedingt etwas Neues, Farbe auf lebenden Untergrund zu bringen – nur, mit der Spritzpistole wurde es bisher selten versucht. Dass es trotzdem geht – und nicht einmal schlecht – wollten in den letzten Wochen des vergangenen Jahres ein paar Make-up-Künstler beweisen.

Nachdem man sich mit der Materie befasst hatte, galt es zuallererst einige Probleme aus der Welt zu räumen. So ist zum Beispiel durchaus nicht jede Farbe gleich gut geeignet. Einige Farben sind im Gegenteil sogar gesundheitsschädlich! Rücksprache mit einem der renommiertesten Schminkfarben-Hersteller der Welt in Berlin ergab, dass er sich mit dem Thema schon beschäftigt und bereits die ersten Arbeitsmuster „Airbrush-Farbe“ im Labor hatte.

Ein weiterer Partner war auch bald gefunden, der Organisation und Vertrieb übernehmen wollte. Seine „geballte Ladung“ an wirtschaftlichem Know-how überzeugte den Farbfabrikanten, einige seiner Muster herauszurücken. Inzwischen war den Initiatoren des ganzen Projektes klar geworden, dass es dabei schon nicht mehr nur um eine Spielerei ging. Dank guter Kontakte wurde eine Visagistin gewonnen, die bei der Auswahl der Farbpalette hilfreich zur Seite stand.

Schließlich war es dann soweit. In einem Hamburger Fotostudio traf man sich. Die neuen Farben waren da, die Spritzpistolen an den Kompressor angeschlossen und das Atelier auf 35 Grad Celsius aufgeheizt Wegen der Models, denn nur Gesicht und Dekolleté war dem Künstler dann doch zu wenig Fläche. Der ganze Körper sollte es schon sein. Immerhin sollte die neue Technik später auch in der Maskenbildnerei, am Theater und im Ballett eingesetzt werden.

Bodypainting 1986 (Abb. 2)Anfangs mit gehörigem Respekt ging man daran, die vorbereiteten Motive auf einem der nettesten Malgründe, die man sich vorstellen kann, in die Tat umzusetzen. Das erste praktische Problem war da, ehe der erste Tropfen Farbe die Haut des Models erreicht hatte. Durch die kalte Luft bildete sich blitzschnell eine ordentliche Gänsehaut. Dadurch wurden die gespritzten Flächen natürlich nicht ganz so gleichmäßig, wie sie sein sollten. Mit ein klein wenig Handauflegen war dies Hindernis aber bald beseitigt.
Die nächste Schwierigkeit waren die kaum sichtbaren Härchen, die auf jeder, auch der glattesten Haut wachsen. Wenn man die Farbe zu konzentriert auftrug, ergab sich eine Art Pelzeffekt. Der Vorschlag, diesem Pelz mit dem Rasiermesser auf den Leib zu rücken, wurde allerdings von unserem Modell entrüstet zurückgewiesen. Also wurde die Farbe einfach weiter verdünnt.

Bodypainting 1986 (Abb. 3)Die Leute „vom Bau“, Kosmetikerinnen, Visagisten und Maskenbildner, die im Fotostudio dabei waren, waren verblüfft. Mit welch einfachen Mitteln waren doch die tollsten Effekte zu erzielen. Und wie lange braucht man auf die konventionelle Art dazu, eine gerade Linie auf eine so komplexe Oberfläche wie ein Gesicht zu bringen. Mit Hilfe von Schablonen gelang das dank der Airbrush-Technik innerhalb weniger Minuten.

Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie einen strahlenden Stern genau zwischen den Augenbrauen erkennen. Die Arbeitsweise ist die gleiche, wie bei der konventionellen Illustration. Ein wenig Fachwissen gehört allerdings schon dazu, diese Wirkung zu erzielen.

Andere Motive, die überwiegend aus Verlaufsflächen aufgebaut sind, kann man sowieso nur mit der Spritzpistole realisieren. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Maskierung leider nicht mit selbstklebenden Materialien zu machen war. Auf der unbehandelten Haut ging das ja noch, aber sobald eine Schicht Farbe oder Make-up aufgetragen war, hob dieselbe sich beim Abziehen der Folie zum größten Teil ebenfalls mit ab.

Bodypainting 1986 (Abb. 4)Was aber anfangs wie ein Nachteil schien, verwandelte sich schon bald ins Gegenteil. Man war gezwungen, nur noch mit Schablonen zu arbeiten – und das ging erheblich einfacher und auch noch schneller. Allerdings ist es meistens nötig, die Schablonen mit fremder Hilfe auf dem Körper festzuhalten. Denn um Flächen scharfkantig zu begrenzen, muss die Schablone fest auf der Haut anliegen.

Weitere gelungene Beispiele möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Die Arbeitszeit für die Rückendekoration (Abb. 1) betrug nicht mehr als 35 Minuten! Das Modell war hinterher beinahe traurig, als es sich wieder abschminken musste. Vielleicht können wir Ihnen übrigens in einer der nächsten Ausgaben der Airbrush-Zeitung auch mal die andere Seite zeigen.

Natürlich tauchten im Verlauf der zwei Tage, die man im Fotoatelier zubrachte, noch einige Schwierigkeiten auf. Denken Sie nur mal daran, was passieren könnte, wenn das Modell etwas kitzelig ist. Alles in allem jedoch waren es erfolgreiche Versuche. «Le dernier cri» in der Kosmetik hat sicherlich noch lange nicht seinen letzten Schrei getan.

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