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André Roche

11.05.09 · Autor: CMM ·

Airbrush-Zeitung: Haben sich denn Ihr Maskierfilm und das Aquarellpapier gut miteinander vertragen?

Abbildung 11André Roche: Nicht immer. Ich habe viele verschiedene Sorten Papier ausprobiert, ehe ich die richtige fand. Später dann bin ich vom Aquarellpapier abgekommen und auf Reinzeichenkarton gewechselt. Das hatte den Vorteil, dass die gespritzten Flächen absolut glatt waren und auch der Klebefilm leicht wieder zu entfernen war. Inzwischen verwende ich bei manchen Bildern neben glattem Karton wieder Aquarellpapier, allerdings mit einem anderen Maskierfilm wie früher, so dass keine Unfälle mehr passieren.

Airbrush-Zeitung: Kommen wir zu Ihren Bildern. Wenn ich mir einige so anschaue, sehe ich, dass Sie auch andere Techniken neben der Spritzpistole eingesetzt haben. Welche waren das?

André Roche: Sehr viel habe ich mit dem Pinsel und der Feder gemacht, auch mit Buntstiften. Da ich mit transparenten Farben gespritzt habe, habe ich immer zuerst gezeichnet und gemalt und anschließend mit der Spritzpistole überarbeitet. Nur mit der Spritzpistole zu malen gibt den Bildern leicht ein künstliches Aussehen. Das ist bei manchen Themen wünschenswert, also ideal, bei anderen wiederum nicht

Airbrush-Zeitung: Welche Schwierigkeiten hatten Sie denn bei der Arbeit mit der Spritzpistole? Die Sache mit dem Papier haben wir ja schon gehört. Wie haben Sie denn Ihre Farben ausgesucht?

André Roche: Das war schon recht früh. Ich habe in dem Trickfilmstudio gesehen, welch’ tolle Effekte der Hintergrundmaler mit seinen Farben erzielen konnte. Da habe ich eben gedacht, dass ich das auch könnte. Das hat geklappt.

Airbrush-Zeitung: Verraten Sie uns die Sorte?

André Roche: Eiweißlasur von Ecoline.

Airbrush-Zeitung: Können Sie sich denn noch erinnern, wann Sie ungefähr Ihre erste eigene Spritzpistole angeschafft haben? Oder ist das zu lange her?

André Roche: Genau weiß ich das nicht mehr. Ich erinnere mich nur noch daran, dass in dem Studio, wo ich arbeitete, eine firmeneigene Pistole da war. Jeder hat sie damals mit einiger Bewunderung angeschaut – und wieder in die Schublade geräumt. Als das Studio später geschlossen wurde, habe ich die gesamte Ausrüstung gekauft.

Airbrush-Zeitung: Gleich mit Antrieb und allem drum und dran?

André Roche: Ja, da war eine große Kohlensäureflasche und alle nötigen Anschlussstücke dabei. Ich arbeite jetzt immer noch damit. Heute benutze ich allerdings einen Kompressor, den ich wegen dem Lärm schalldicht eingepackt habe. Zu meiner alten Pistole sind drei dazu gekommen, die ich beim Malen abwechselnd verwende.

Airbrush-Zeitung: Die Bandbreite in Ihrer Arbeit ist ja ziemlich groß. Vom Comic angefangen über die Lizenzfiguren bis hin zu eigenen Figuren, wissenschaftliche oder realistische Illustrationen sowie Trickfilme. Wie kamen Sie an all diese Aufträge?

Ausgabe 3/86André Roche: Es spricht sich in der Branche schnell herum, wenn der eine oder andere besondere Fähigkeiten hat. Meine lagen dabei anfangs eben in meinem Einfühlungsvermögen in schon vorhandene Figuren oder Zeichenstile. Meine Kunden wollten, dass ich sie möglichst genau kopiere, manchmal aus lizenzrechtlichen Gründen, manchmal weil der Illustrator, den sie beschäftigten, gerade krank oder in Urlaub war, oder auch weil sie eben in ein bestimmtes Bild vernarrt waren, dessen Urheber jedoch nicht aufzutreiben war. So habe ich mir auch die meisten meiner Techniken angeeignet. Irgendjemand wollte etwas in einer ganz bestimmten Technik haben – und ich hab’s halt gemacht. Was ich noch nicht konnte, habe ich dann sozusagen unter Zwang gelernt. Es ist am leichtesten den Kunden zufriedenzustellen, wenn er selbst genau weiß, was er will. Das schwierigste an einem Auftrag ist es, eben das herauszukriegen. Zum Glück gibt es aber auch Kunden, die gegen ausschweifende Kreativität nichts einzuwenden haben. Das macht am meisten Spaß, muss aber geklärt werden, bevor man zu malen anfängt.

Airbrush-Zeitung: Eine Frage zum Schluss: Wie beurteilen Sie die Zukunft der Airbrush-Technik?

André Roche: Die Airbrush-Technik habe ich jahrelang auch im Trickfilmbereich bis heute angewendet Nun kommen langsam Computer auf den Markt, die diese Effekte zwar nicht billig, aber auf eine praktischere Art und besser erzielen können. Fast jede Fernsehanstalt arbeitet mittlerweile damit Diese Geräte werden laufend verbessert, so dass immer weniger Ingenieure und immer mehr Kreative damit arbeiten werden können. Es gibt auch Computer zur Herstellung von farbigen Dias. Vor ein paar Tagen habe ich von einem Gerät gehört, mit deren Tastatur man direkt Farblithos herstellen kann. Alle diese Geräte simulieren elektronisch perfekt die Airbrush-Technik, sind aber in der Anschaffung sündhaft teuer, und werden deshalb nur von größeren Firmen gekauft, die Ihre Leistungen in der Branche anbieten. Ob sie eines Tages den illustrativen Markt beherrschen werden, vermag ich heute nicht vorauszusehen. Trotzdem denke ich, dass die Spritzpistole wohl nie mehr ganz verschwinden wird. In erster Linie hängt das meiner Meinung nach sehr davon ab, was die Kunden, und nicht die Illustratoren, wollen. Eines Tages werden sie vielleicht wieder ganz was anderes bevorzugen. Ich weiß das nicht, könnte es mir aber vorstellen: Zum Beispiel die Werbung lebt nicht nur vom Wiederholen guter Ideen, sondern auch vom Überraschen durch Innovation. Wenn es soweit ist, werde ich, falls ich die neue Masche nicht schon kann, eben wieder lernen, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen.

Airbrush-Zeitung: Vielen Dank und viel Erfolg auch weiterhin, Herr Roche!



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1 Kommentar

1 Kommentar bisher ↓

  • Nick

    Das Interview hat mir gut gefallen. Ich bin selbst begeisteter Airbrusher und habe auch ein entsprechendes Studium absolviert. Mir ging es aehnlich da ich mich auch finanzieren musste. Ich bin also auch Marketing Kaufmann. Aber mein Herz haengt natuerlich am Airbrush.
    Weiter so und beste Gruesse
    Nick

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