André Roche
11.05.09 · Autor: CMM ·
Airbrush-Zeitung: Vielleicht habe ich vorhin was nicht ganz mitbekommen, aber mir ist noch nicht klar, wo Sie sich Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet angeeignet haben.
André Roche: Nun, in meiner Familie waren einige, die sich auch damit beschäftigt haben. Deren Literatur habe ich verschlungen und von vorne bis hinten durchgearbeitet. Und dann hatte ich anfangs natürlich auch Glück, dass eben keine Vergleichsmöglichkeiten in der Firma, wo ich arbeitete, waren. Sonst hätten die womöglich gemerkt, dass ich noch in der Lernphase war. Später kamen Vollprofis aus Japan, Nordamerika und Osteuropa dazu. Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt bereits weit genug, um nicht unangenehm aufzufallen. Ich wurde dann auch Art-Director, und habe z. B. mit John Halas aus London zusammengearbeitet Leider hatte sich der Geldgeber dieser Firma mit anderen Projekten verkalkuliert, so dass sie ihre Pforte zuschließen musste. Ich habe dann als freiberuflicher Animator in anderen Studios weitergearbeitet. Farbige Bilder hatte ich allerdings bis zu diesem Zeitpunkt noch keine gemacht.
Airbrush-Zeitung: Auf welchem Wege kamen Sie denn schließlich. an die Farbe?
André Roche: Der Lizenzgeber der Rechte an der „Biene Maja” suchte zu dieser Zeit einen Zeichner, der sich diesem Stil anpassen konnte. Dabei ging es jedoch nicht um Zeichentrickfilme, sondern um alles mögliche andere, wie Comic-Hefte, T-Shirts oder Kinderbücher. Nun, man hat mich dafür genommen, und ich war vorübergehend weg vom Trickfilm. Zwar nicht alle, aber doch einige Zeichnungen für diese Serie wurden auch farbig angelegt Obwohl ich damals noch nicht so viel Erfahrung mit Farbe hatte, sind meine Arbeiten dennoch gut angekommen.
Airbrush-Zeitung: Wie ich weiß, sind Sie heute ein vielbeschäftigter Mann. Es kann also nicht nur bei der Biene Maja geblieben sein. Wie hat sich Ihre Tätigkeit denn weiter entwickelt?
André Roche: Man hat schnell festgestellt, dass ich mich sehr gut an vorgegebene Stilrichtungen anpassen kann. Also kamen immer mehr Aufträge aus dem Lizenzbereich, wo ich bereits eingeführte Serienfiguren bearbeiten musste. Inzwischen habe ich mit fast allen der berühmtesten Trickfilmfiguren gearbeitet. Anfangs hatte ich noch meine Schwierigkeiten mit der Farbe, doch die Zielgruppe meiner Zeichnungen waren ja hauptsächlich Kinder, so dass meine Farbvorstellungen ziemlich genau passten. Mit der Zeit habe ich mich aber sehr weiterentwickelt. Manche meiner jetzigen Kunden aus der Industrie, der Werbung oder dem Verlagswesen, für die ich seit Jahren nur realistische Bilder male, wissen nicht mal, dass ich auch Trick- und Comicfiguren zeichne.
Übrigens ist das Kopieren keine so leichte Sache, wie vielfach abfällig angenommen wird: Es bedarf einer sehr großen Beobachtungsgabe und viel Einfühlungsvermögens, um herauszukriegen, wie das Original wirklich gemacht wurde, so dass dem gegenüber keinen Unterschied festzustellen ist. Ich kopiere ja kein Bild exakt Strich für Strich, sondern ahme den Original-Zeichenstil in ganz neuen Bildern nach. Das verlangt manchmal nächtelange Knochenarbeit, vor allem, wenn keine Originalzeichnung zur Verfügung steht. Außerdem eine große Flexibilität, weil von Auftrag zu Auftrag die Aufgabe oft eine ganz andere ist, die mit vollkommen anderen Mitteln zu lösen ist Ich denke mir oft, dass ich es einfacher haben könnte, wenn ich einen Stil beibehalten würde, den ich dann aus dem Effeff kann.
Das Interview hat mir gut gefallen. Ich bin selbst begeisteter Airbrusher und habe auch ein entsprechendes Studium absolviert. Mir ging es aehnlich da ich mich auch finanzieren musste. Ich bin also auch Marketing Kaufmann. Aber mein Herz haengt natuerlich am Airbrush.
Weiter so und beste Gruesse
Nick